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      Das Fachmarktzentrum - Infos und Hintergründe
Über kaum ein Thema wurde in den vergangenen Jahren in Bayreuth so kontrovers diskutiert, als über das geplante Fachmarktzentrum an der Dr.-Konrad-Pöhner-Straße. Dabei schien im Herbst 2002 schon alles klar: Der Bayreuther Stadtrat entschied sich gegen das rund 50 000 Quadratmeter große Projekt der Sindelfinger EEW GmbH. Doch nun wurde die Diskussion wieder entfacht: Der Bayreuther FDP-Politiker Horst Friedrich startete im Herbst 2004 ein Bürgerbegehren und gründete dazu eine Bürgerinitiative. Die Entscheidung über das Fachmarktzentrum lag in den Händen der Bayreuther: Ein Bürgerentscheid  entschied über die Zukunft des Areals an der Autobahnausfahrt Bayreuth-Süd und die der  Zukunft der Bayreuther Innenstadt

Das Fachmarktzentrum in Zahlen
Während anfangs von rund 50 000 Quadratmetern Bruttoverkaufsfläche die Rede war, ist das "Phantom"-Fachmarktzentrum mittlerweile auf rund 65 000 Quadratmeter angewachsen. Der Grund: Möbel Neubert/Lutz plant neben dem Fachmarktzentrum ein Möbelhaus. Im Fachmarktzentrum selbst sind rund ein Dutzend Geschäfte geplant, darunter Textilgeschäfte (z.B. Adler), ein Elektronikmarkt (Saturn/MediaMark), ein SB-Warenhaus (real) sowie ein Drogeriemarkt und ein Fastfood-Restaurant. Die Ladenflächen betragen jeweils mindestens 700 Quadratmeter.


An der Dr.-Konrad-Pöhner-Straße wollen EEW und Neubert
ein Fachmarktzentrum mit Möbelhaus errichten (rot gefärbter Bereich).
Foto: bayreuth-guide.de
 

Die Fachmarktzentrum-Diskussion - Ein Rückblick
31.07.2002
Bayreuths Oberbürgermeister Dr. Dieter Mronz (SPD) erteilt der EEW GmbH aus Sindelfingen eine klare Absage. Zuvor hatte die EEW bei Mronz und den Fraktionen im Stadtrat für das rund 50 000 Quadtratmeter große Vorhaben geworben.

17.09.2002
Der Bauausschuss des Bayreuther Stadtrats spricht sich gegen den Neubau eines Hornbach-Baumarktes an der A9 aus. Das Nein des Ausschusses galt zu diesem Zeitpunkt bereits als richtungsweisend für die bevorstehende Abstimmung um das Fachmarktzentrum: Bayreuth benötigt keinen neuen, großflächigen Einzelhandel.

06.10.2002
Die Junge Union Bayreuth kritisiert OB Dr. Mronz: "Mit seinem Nein zum Fachmarktzentrum versucht er sich als Retter der Innenstadt darzustellen, obwohl er dieVerantwortung für die desolate Situation des Marktes zu tragen hat", so der JU-Kreisvorsitzende und Stadtrat Oliver Junk.

08.10.2002
Bauausschusssitzung - Und wieder spricht man sich einstimmig gegen das Einkaufszentrum aus: Der Einzelhandel in der Innenstadt werde durch den Bau eines Fachmarktzentrums mit den geplanten Ausmaßen leiden, ganze Versorgungsstrukturen würden durcheinandergebracht. Das letzte Wort hat jedoch der Stadtrat auf einer Sondersitzung.

11.10.2002
Der Aktionskreis "Bayreuth Aktiv" meldet sich in der Diskussion zu Wort: Mit einer Unterschriftenaktion will man auf die Entscheidung des Stadtrats Einfluss nehmen und künftig noch enger zusammenarbeiten. Auch das Rotmaincenter tritt dem Aktionskreis bei.

18.10.2002
Die für 23. Oktober geplante Sondersitzung des Stadtrats wird auf einen Termin im November verlegt. Beantragt worden sei dies von der SPD und der Bayreuther Gemeinschaft, die offenbar weiteren Klärungsbedarf hatten.

24.10.2002
Die Stadtratsfraktionen von SPD und BG treffen sich mit dem Oberfränkischen Regierungspräsidenten Horst Angerer. Thema: Der Landesentwicklungsplan für Bayreuth und natürlich die Auswirkungen des Fachmarktzentrums auf die Bayreuther Innenstadt. Heinrich Dumproff, Fraktionschef der Bayreuther Gemeinschaft: "Eine grundsätzliche Diskussion muss geführt werden. Und es müssen alle Argumente, die für ein solches Fachmarktzentrum sprechen, genauso auf den Tisch kommen wie jene Argumente, die dagegen sprechen. Damit wir am Ende im Stadtrat gewichten und dann auch richtig entscheiden können."

25.10.2002
Der CSU-Kreisverband Bayreuth-Stadt widerspricht einer These von Reinhard Weniger vom Einzelhandelsverband: Es sei falsch, dass nicht nur der Einzelhandel, sondern auch die Bürger das Fachmarktzentrum ablehnen. Außerdem könne von dem geplanten Zentrum eine Initialzündung für den Handel in der Innestadt ausgehen.

10.11.2002
Erneut spricht sich die Junge Union für ein Fachmarktzentrum an der A9 aus und kritisiert OB Dr. Mronz: Er habe seine Hausaufgaben im Bereich Innenstadt nicht gemacht. Die JU legt sich darauf fest, dass ein Fachmarktzentrum grundsätzlich gewünscht werde.

11.11.2002
Die damalige Centermanagerin des Rotmaincenters, Fabiola Peiniger, warnt ausdrücklich vor dem Bau eines Fachmarktzentrums: "Die Mega-Mall hätte fatale Folgen. Das schlimmste Aushängeschild, das Bayreuth haben könnte, wären Leerstände." Zudem spricht sie sich für eine Stärkung der gesamten Innenstadt aus.

13.11.2002
Neuer Vorschlag der CSU-Stadtratsfraktion: Das Gelände der Neuen Spinnerei am Nordring soll für den Einzelhandel frei gegeben werden.

15.11.2002
Die Interessengemeinschaft Innenstadt Bayreuth fordert den Stadtrat zu einer Ablehnung des Fachmarktzentrums auf: "Angesichts von Leerständen in der Größenordnung von 10 000 bis 12 000 Quadratmetern müssten schon jetzt überall die roten Lampen brennen! Sonst gehen hier in Kürze die Lichter aus", so der Sprechter der IG, Josef Schüller.

19.11.2002
Einen Tag vor der Stadtratsentscheidung meldet sich Baureferent Jürgen Dohrmann zu Wort: Ein Fachmarktzentrum in der Größenordnung von rund 50 000 Quadratmetern sei "nicht genehmigungsfähig" für Bayreuth. Auch die IHK und HWK, ver.di und der Einzelhandelsverband bleiben bei ihrem Standpunkt: Ein klares "Nein" zum Fachmarktzentrum. Der Investor, die EEW GmbH aus Sindelfingen, rührt dagegen noch einmal die Werbetrommel: Ein solches Projekt passe ins Oberzentrum Bayreuth, sorge für mehr Lebensqualität und schaffe auch noch bis zu 1500 neue Arbeitsplätze.

20.11.2002
Mit 30 zu 11 Stimmen lehnt der Stadtrat das Fachmarktzentrum und damit eine Investition in der Festspielstadt in Höhe von rund 100 Mio. Euro ab. Der Stadtrat argumentiert mit einer negativen Folge für die Innenstadt, wo bereits mehrere Tausend Quadratmeter Einzelhandelsfläche leerstehen. Kurzum: Das Fachmarktzentrum sei für Bayreuth eine Nummer zu groß. In der über 4stündigen Debatte wurde aber auch deutlich, dass sich mancher Stadtrat zu einem "Nein" förmlich mit sich ringen musste. Die Entscheidung des Stadtrats wird von den Fachmarkt-Gegnern begrüßt und auch "Bayreuth Aktiv" lobt die neue Einigkeit des innerstädtischen Handels. Otto Schumann von der EEW GmbH: "Wir werden in Oberfranken nicht aufgeben!" Eine alternative Nutzung für das Gelände an der Dr.-Konrad-Pöhner-Straße schlägt Prof. Helmut Ruppert, Präsident der Uni Bayreuth vor: Er kann sich mittel- bis langfristig die Ansiedlung von wissenschaftsnahen Unternehmen, Forschung und Lehre vorstellen, und auch eine Expansion der Universität selbst.

07.12.2002
Nach 5 Jahren schließt das Modehaus Oberpaur seine Bayreuther Filiale - nicht zuletzt verunsichert durch die Fachmarktzentrum-Diskussion, so Oberpaur-Geschäftsführer Wolfgang Lethaus.

08.04.2003
Erinnerung an die Sondersitzung zum Fachmarktzentrum des Stadtrates werden wach: Der Bauausschuss spricht sich gegen die Erweiterung von Möbel Neubert in Hirschaid bei Bamberg aus- rund 1,4 Millionen Kaufkraftabschluss aus Bayreuth werden prognostiziert.

19.11.2003
Mitgliederversammlung des Aktionskreis "Bayreuth Aktiv" - Ein Tagesordnungspunkt: Die Auflösung des Vereins. Die positive Stimmung bei den Einzelhändlern nach der Stadtratsentscheidung konnte nicht umsgesetzt werden.

28.11.2003
Nach rund einem Jahr Pause geht die Diskussion in eine neue Runde: Auf Nachfrage des Nordbayrischen Kuriers bestätigt Rudolf H. Christa, Geschäftsführer der Möbel Neubert GmbH, dass man an einem Standort in Bayreuth an der Dr.-Konrad-Pöhner-Straße Interesse habe und gerne ein 30 000 Quadratmeter großes Möbelhaus errichten möchte - mit oder ohne Fachmarktzentrum. Auch der Bekleidungsfilialist Adler würde sich gerne in Bayreuth niederlassen, das SB-Warenhaus real plant eine 3. Filiale in der Festspielstadt. "Die Bevölkerung will ein solches Center. Und ich habe auch den Eindruck, dass einige Stadträte inzwischen umgedacht haben.", so Erich Hailfinger von der EEW GmbH, man stelle auch keine Konkurrenz zum innerstädtischen Handel dar. "Niemand versteht die Blockadehaltung der Stadt." Die EEW kündigt eine neue Initiative für das Fachmarktzentrum an.

12.12.2003
Die IG BAU kritisiert das Verhalten der Stadt in der Fachmarktzentrums-Diskussion: Man habe eine große Chance für die Stadt leichtfertig vergeben, so IG-Geschäftsführer Paul Schmid in einer Presemitteilung. Ein Appell geht an die politisch Verantwortlich in Bayreuth, sie sollen sich nocheinmal Gedanken über das Fachmarktzentrum machen.


Für das Fachmarktzentrum: Horst Friedrich (FDP)
Foto: www.ard.de

14.01.2004
Der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Horst Friedrich (FDP)  kündigt eine Reihe öffentlicher Informationsveranstaltungen an, da er eine Trendwende bei den Stadträten in der Fachmakrtzentrum-Frage erkannt haben will: : "Manch einer scheint nur darauf zu warten, dass jemand das Thema aufgreift, um sich diesmal positiv entscheiden zu können." Nach der ersten Veranstaltung in Bayreuth, an der u.a. auch Vertreter der EEW GmbH teilnehmen, scheint Friedrich optimistisch gestimmt und kündigt an, den Entwurf erneut dem Stadtrat vorzulegen: "Wir werden uns jetzt auf den Weg machen, politisch mit den anderen Fraktionen das Thema noch einmal zu besprechen. Wir werden versuchen etwas auf den Weg zu bringen. Wenn nicht, bin ich auch durchaus nicht abgeneigt, in Wolfsbach, Oberkonnersreuth und den Gegenden im Süden Bayreuts eine Unterschriftenaktion zu starten. Ich glaube, das kann man auf den Weg bringen. Wann es genau in den Stadtrat geht, kann ich nicht sagen.", so Friedrich gegenüber Radio Mainwelle.

20.02.2004
Und noch ein Fachmarktzentrum: Die Media-Markt-Kette richt bei OB Dr. Mornz eine offizielle Bauvoranfrage ein. Media-Markt will in Bayreuth expandieren, auf dem Gelände der Neuen Spinnerei (NSB) soll ein neuer Elektro-Fachmarkt entstehen, ebenso wie ein Verbrauchermarkt und ein Fastfood-Restaurant. Im Rathaus stößt das Bauvorhaben mit einem Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro auf großes Interesse.

02.03.2004
Drei Stadträte, rund ein dutzend CSU-Mitglieder EEW-Marketingchef Hailfinger verweilen in Dachau: Eine "Besichtigung" des In-Centers (51 000 Quadratmeter, 1000 Parkplätze), das dem geplanten Bayreuther Einkaufszentrum ähnelt, steht auf dem Programm. An der ablehnenden Haltung der CSU-Fraktion habe sich aber auch durch diesen Besuch nichts geändert.

16.03.2004
Bei seiner 2. Infoveranstltung in der Oberkonnersreuth kündigt FDP-Politiker Friedrich an, Nägel mit Köpfen zu machen: Wenn sich der Stadtrat des Themas Fachmarktzentrums nicht erneut annehme, leite er ein Bürgerbegehren ein. Er betont erneut, "dass die Ablehnung des Stadtrats die falsche Entscheidung war."

07.04.2004
Keine einheitliche Linie in der CSU: Während die Junge Union sich wieder für ein Fachmarktzentrum ausspricht, ist die Frauen-Union dagegen und handelt sich damit den Ärger des Fraktionsvorsitzenden Prof. Werner Grüninger ein: Die Fraktion sei sich einig gewesen, "sich auf Grund unterschiedlicher Meinungen zum Thema Fachmarktzentrum nicht weiter öffentlich zu positionieren."

24.06.2004
Eine gemeinsame Presseerklärung von EEW GmbH und Möbel Neubert/Lutz treibt erneut die Diskussion an: Ein rund 40 000 Quadratmeter großes, dreigliedriges Möbelhaus, bestehend aus XXXLutz, Mömax und Möbelix, mit rund 2000 Parkplätzen soll an ein Fachmarktzentrum angegliedert werden. Auch ein SB-Warenhaus, ein Elektromarkt, ein Schuhmarkt und eine Fastfood-Kette zeigen noch immer Interesse an dem Standort nahe der Autobahn, so dass dort rund 110 000 Quadratmeter Einkaufsfläche entstehen würden. Auch wolle man sich nach einer positiven Entscheidung mit den Gegnern, dem Innenstadthandel und dem Rotmaincenter an einen Tisch setzen, um über Möglichkeiten der Innenstadtbelebung zu diskutieren.  "Es liegt nun an den politisch Verantwortlichen der Stadt Bayreuth, das Investitionsvorhaben zu bewerten. Aus Sicht der Investoren und Betreiber sollte dabei möglichst zeitnah eine grundsätzliche Entscheidung getroffen werden, ob die Stadt Bayreuth dem neuen Konzept eine realistische Chance gibt."

29.07.2004
Stadtratsfraktionsvorsitzende Sigrid Engelsbrecht (B90/Die Grünen), Reinhard Weniger vom Einzelhandelsverband und Tanja Popp, Rotmaincenter-Managerin, sprechen sich erneut klar gegen das Vorhaben an der Nürnberger Straße aus. Engelbrecht zeigte sich besorgt über die Entwicklung der Diskussion um das Fachmarktzentrum. Sie befürchtet, dass die Front der Gegner möglicherweise langsam aufweichen und der Stadtrat dem Fachmarktzentrum letztlich zum Nachteil der Stadtentwicklung und des Einzelhandels in der Innenstadt zustimmen könnte.

04.08.2004
Der Kreisvorstand der Bayreuther CSU informiert sich erneut aus erster Hand über das Fachmrktzentrum: Dr. Rudolf Christa (Neubert/Lutz) und Erich Hailfinger (EEW) stellen der Partei das Projekt vor. Sollte der Stadtrat ein positives Signal senden, könnte man ein Auswirkungsgutachten für Bayreuth in Auftrag geben und sowohl Möbelhaus als auch Fachmärkte zügig realisieren. Knapp 500 Vollzeitarbeitsplätze würden durch den Bau eines Einkaufscenters entstehen, eine negative Auswirkung auf die Innenstadt sehe man nicht, vielmehr wolle man mit dem Einzelhandel zusammenarbeiten. Weiterhin gegen ein Fachmarktzentrum ist der CSU-Ortsverband BT-Mitte: "Wenn nun einige Aktivisten gegen jede Beschlusslage Sturm laufen, soll damit wohl den Interessen des auswärtigen Projektentwicklers zum Durchbruch verholfen werden", so eine Pressemitteilung. Auch die CSU-Stadtratsfraktion sieht keine Notwendigkeit, erneut über das Projekt zu diskutieren, bevor nicht die Sanierung des "Schandflecks" NSB-Geländes abgeschlossen sei.

10.08.2004
Der CSU-Ortsverband Bayreuth-Süd kündigt an, sich an einer überparteilichen Bürgerinitiative pro Fachmarktzentrum zu beteiligen. Bürgermeister Thomas Ebersberger sehe bei einer erneuten Abstimmung im Stadtrat in seiner CSU-Fraktion eine Mehrheit von 8 zu 6 Stimmen für das Fachmarktzentrum.

11.08.2004
Und wieder FDP-Politiker Friedrich: Nachdem die Stadt scheinbar nicht willens sei, das Thema von sich aus voranzutreiben, kündigt er endgültig an, ein Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen - Ende September sollen die Formalitäten abgeschlossen sein, damit die Investoren, die EEW und Neubert/Lutz, endlich Klarheit bekämen: "Wir ziehen das jetzt durch", so Friedrich. Mit der Mittelstandsunion der CSU erhält Friedrich einen weitern Befürworter, die den Stadtrat auffordert, die Blockadehaltung endlichaufzugeben.

13.08.2004
"Wenn das Ding kommt, dann macht Karstadt hier zu." - Klare Worte von Karstadt-Geschäftsführer Volker Knauer, investiert er doch rund 350 000 Euro in das Kaufhaus am Marktplatz, unter dem Aspekt, dass der Stadtrat bei einer erneuten Entscheidung wieder gegen das Fachmarktzentrum stimmt. Und auch OB Dr. Mronz warnt davor, die "Phantomdiskussion" weiterzuführen: Wer einem Fachmarktzentrum von doppelter Größe des Rotmaincenters zum Durchbruch verhelfe, setze sowohl das Gschäftszentrum Innenstadt als auch die aussichtsreiche Sanierung des Schandflecks NSB aufs Spiel. Die Entscheidung von Neubert/Lutz, nach Bayreuth zu drängen, begrüßt Mronz und bietet hierfür das leerstehende Gebäude der ehemaligen Wohnwelt 2000 an der Himmelkroner Straße an.

17.08.2004
Die Grüne Stadtratsfraktion spricht sich erneut gegen das Fachmarktzentrum aus und grieft die Befürworter, wie Friedrich scharf an. Fraktionsvorsitzende Engelbrecht: "Wir werden das geplante Fachmarktzentrum mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen. Wer das Riesenteil an der Nürnberger Straße will, zündelt also in unverantwortlicher Weise und löst möglicherweise einen Flächenbrand in der Innenstadt aus."

01.09.2004
Eine weitere große Kette investiert in Bayreuth: K+L Ruppert lässt sich - zusätzlich zu der Filiale an der Richard-Wagner-Straße - im Rotmaincenter in den ehemaligen Geschäftsräumen von Hettlage nieder. "Absolut begrüßenswert," so Reinhard Weniger vom Einzelhandelsverband, der darin in Hinblick auf die erneute Fachmarktzentrum-Diskussion ein Bekenntnis zur Innenstadt sieht.

03.09.2004
"Wenn wir eine intakte Innenstadt haben und der Investitionswunsch dann immer noch besteht, dann soll man das Fachmarktzentrum bauen." so SPD-Stadtverbandsvorsitzender Dr. Christoph Rabenstein bei einer Pressekonferenz. Er befürchtet zudem, dass durch die ständige Diskussion andere Vorhaben, wie z.B. das geplante Ärztezentrum und der Media-Markt-Neubau auf dem Spinnereigelände nicht in die Gänge kommen, da die Investoren verunsichert seien.

Die von Friedrich initiierte überparteiliche Bürgerinitiative pro Fachmakrtzentrum wird an diesem Abend mit 14 Befürwortern gegründet. Friedrich kündigt an, am 13. September eine offizielle Begründung für das von ihm geplante Bürgerbegehren vorzulegen. Rund 3500 Unterschriften von walhlberechtigten Bayreuthern werden benötigt, damit ein Bürgerentscheid stattfinden könne. Erstmals deutet Friedrich an, warum die Stadt das Einkaufszentrum an der Autobahnausfahrt Bayreuth-Süd nicht nicht wolle: Es solle bereits Pläne für ein Kongresszentrum auf dem Gelände geben. Die Aufschiebung zugunsten einer priorisierten Innenstadtsanierung, wie sie SPD-Politiker Rabenstein forderte, weist die Bürgerinitiative zurück. Nicht anwesend bei der Gründungsveranstaltung waren übrigens der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Wolfgang Kern, und der CSU-Bezirksrat Dr. Michael Hohl, die sich entschuldigen ließen: Sie unterstützten die Initiative, könnten sich aber aufgrund ihrer Position nicht in die erste Reihe der Fachmarktbefürworter stellen.

13.09.2004
Horst Friedrich hält wieder einmal eine Pressekonferenz ab. Thema: Die bevorstehende Auftaktveranstaltung zur Unterschriftenaktion für das Bürgerbegehren pro Fachmarktzentrum. Die benötigten 3500 Unterschriften der Bayreuther Bürger sollen innerhalb von 4 bis 8 Wochen gesammelt werden. Unterstützung bekommt Friedrich mittlerweile quer durch alle Parteien: CSU, SPD und JU wollen ihn bei der Unterschriftensammlung helfen.

Unterdessen formiert sich Widerstand bei rund 50 Einzelhändlern in der Innenstadt: Das Fachmarktzentrum sei "ein Unding, das zur Unzeit kommen soll". Rinhard Weniger vom Einzelhandelsverband: "Die Zahl der 700 angegebenen Arbeitsplätze stimmt mit Sicherheit nicht, weil eine solche Verkaufsmaschine bei weitem nicht so arbeitsintensiv ist wie der Einzelhandel. Ein Arbeitsplatz der dort geschaffen wird, vernichtet 2,4 Arbeitsplätze im traditionellen Handel." In einer "Initiative für Bayreuth" will man die Bürger über die Vorbehalte gegenüber dem Fachmarktzentrum aufklären und sich aktiv um die entwicklung der Innenstadt kümmern.

14.09.2004
Auch der Bund der Selbständigen (BDS) spricht sich in einer Pressemitteilung gegen das Fachmarktzentrum aus: Bayreuth verkrafte keine weiteren Verkaufsflächen. Das klare Votum des Stadtrats gegen das Zentrum habe seitens der innerstädtischen Ladeninhaber "Investitionen von mehreren Millionen Euro ausgelöst, die immer zahlreicheren Billiganbieter sind ein schrilles Alarmsignal. Die Schließung der Wohnwelt 2000 untermauert die fehlende Kaufkraft Bayreuths und seiner Umgebung. Es konnte bisher auch kein Nachweis erbracht werden, dass ein Mehr an Verkaufsfläche automatisch zu einer Steigerung der Einzelhandelsumsätze führen wird." so BDS-Vorsitzende Karin Kolanus.

15.09.2004
Startschuss für das Fachmarkt-Bürgerbegehren: Nach der Auftaktveranstaltung werden in Bayreuth die benötigten 3500 Unterschriften gesammelt.  Friedrich zeigt sich in einem Mainwelle-Interview optimistisch: "Die CSU ist in weiten Teilen dafür, die Jusos, große Teile der SPD, die Gewerkschaft Bau, es gibt diverse Einzelhändler, die mich schon gefragt haben, wann es die Listen gibt - sie möchten diese in ihren Geschäften auslegen, meine eigene Partei steht hinter mir - also ich habe gar keine Zweifel, dass wir die erste Hürde locker packen."

22.09.2004
Rund 100 Einzelhändler der Innenstadt treffen sich bei strömendem Regen auf dem Sternplatz zu einem spontanen Fototermin: Mit der Aktion - organisiert von Reinhard Weniger vom Einzelhandelsverband - will man der Öffentlichkeit zeigen, dass es mehr Fachmarktzentrums-Gegner als Befürworter gibt. Auch für die Zukunft plane der Einzelhandel weitere Aktionen, um sich gegen das neue Einkauftzentrum zu wehren.

26.09.2004
Mehr Sachlichkeit und weniger Fehlinformationen fordern die Investoren des geplanten Fachmarktzentrums bei einer Pressekonferenz in Bayreuth. Der Kunde werde seinen Armani-Anzug weiterhin inder Bayreuther Innenstadt kaufen, das günstige Angebot von der Stange im Fachmarktzentrum. Auch dass in der Innenstadt die Lichter ausgehen, wenn das FMZ kommt, wiesen die Investoren von EEW und Lutz/Neubert erneut zurück.

27.09.2004
Der SPD-Ortsverein Neue Heimat/Birken/Oberkonnersreuth fordert den Rücktritt des SPD-Stadtrats-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Kern. Kern ist einer der wenigen bei den Bayreuther Sozialdemokraten, der sich in der Öffentlichkeit für das Fachmarktzentrum ausspricht und auch die Bürgerinitiative von Horst Friedrich unterstützt. In dem Brief des Ortsverein heißt es weiter, Kern füge der SPD Bayreuth durch seine Haltung in der Diskussion um das Fachmarktzentrum schweren Schaden zu.

28.09.2004
Aufatmen bei Karstadt in Bayreuth: Von insgesamt 77 Warenhäusern wird sich die Karstadt-Quelle AG im Rahmen des Sanierungsprogrammes trennen, das Haus in Bayreuth am Marktplatz ist davon nicht betroffen, heißt es aus der Karstadt-Zentrale in Essen. In den zurückliegenden Tagen war befürchtet worden, dass das Traditionshaus in der Wagnerstadt mit rund 130 Mitarbeitern den Streichplänen der Karstadt-Führung zum Opfer fallen könnte. Volker Knauer von der Bayreuther Karstadt-Filiale in Bayreuth appelliert aber erneut an die Stadt, sich gegen das Fachmarktzentrum auszusprechen, da sonst die Zukunft der Filiale in der Festspielstadt weiter in Frage gestellt würde.

06.10.2004
"Das würden die meisten Einzelhändler nicht überleben", so die Meinung von Rotmaincenter-Managerin Tanja Popp zum Fachmerktzentrum bei einer Informationsveranstaltung der Bayreuther Gemeinschaft (BG). Auch eine eventuelle Erweiterung des Centers in der Innenstadt bei einer Ablehnung des Fachmarktzentrums schließt Popp nicht aus.

Ein erstes Fazit zu seinem Bürgerbegehren zieht Organisator Horst Friedrich: Rund 500 Unterschriften für das Zentrum sind in den ersten 3 Wochen gesammelt worden.

07.10.2004
Erste Infoveranstaltung der Fachmarktzentrums-Gegner: Unter der Leitung von SPD-Stadträtin Christa Müller-Feuerstein formiert sich der Widerstand gegen das geplante Zentrum. "Ich denke, dass der Stadtrat heute nicht anders darüber denkt als im November 2002", so Müller-Feuerstein auf der SPD-Veranstaltung.

08.10.2004
Der Bayreuther Einzelhandel hat rund ein Jahr nach der Auflösung von "Bayreuth aktiv" wieder ein Sprachrohr: "Gemeinsam für Bayreuth" - so der Titel des Zusammenschlusses von Bayreuther Händlern, dem Einzelhandelsverband und der Stadt Bayreuth. Eine "Initiative von großer Bedeutung" sieht Bayreuths OB Dr. Dieter Mronz in der Aktion.

13.10.2004
Horst Friedrich präsentiert einen neuen Zwischenstand seines Bürgerbegehrens: 1250 Unterschriften für das Fachmarktzentrum liegen bereits vor. "Nicht nachvollziehbare Argumente" sagt Friedrich den Gegnern des Fachmarktzentrums nach.

14.10.2004
Die Bayreuther Gemeinschaft (BG), bisher eher auf der Seite der Fachmarktzentrumsgegner, will das Projekt "nicht mehr von vorneherein ablehnen". In einer Erklärung der Stadtratsfraktion heißt es, das neue Konzept der Investoren sei im Vergleich zu dem, das vor zwei Jahren vorgelegt wurde, jetzt schlüssiger. Fraktionschef Heinrich Dumproff merkte auf der Mitgliederversammlung des Vereins allerdings an, der Schutz der Innenstadt werde von der BG vorrangig behandelt.

18.10.2004
"Die Marschroute war richtig, auf der grünen Wiese keine großen Projekte zuzulassen. Was jetzt mit dem Bürgerbegehren läuft, ist ein demokratischer Prozess, dem wir entgegensehen müssen.", so OB Dr. Dieter Mronz auf einer Veranstaltung der Schutzgemeinschaft Bayreuther Innenstadt. Joachim Benecke von der Schutzgemeinschaft spricht sich natürlich auch gegen das Fachmarktzentrum aus, hat aber auch Vorschläge für den Bayreuther Marktplatz nach dem Wegfall des Zentralen Omnibusbahnhofs: Er will Individualverkehr auf dem Markt zulassen und mehr Kurzzeitparkplätze.

25.10.2004
Bei einer erneuten Informationsveranstaltung betont Horst Friedrich erneut, dass seitens der Gegner immer wieder Foul gespielt würde und "dementiert" die Fehlinformationen, wonach ein Fachmarktzentrum rund 1500 Arbeitsplätze in der Innenstadt vernichte. Auch wolle man den Bau eines Fachmarktzentrums mit Hilfe der regionalen Bauwirtschaft vornehmen. Die Unternehmen, die für das Fachmarktzentrum vorgesehen sind, würden in der IOnnenstadt nicht unterzubringen sein. Auch die Innenstadt werde vom Fachmarktzentrum profitieren, so Friedrich, der außerdem davor warnte, dass die Geduld der Investitoren nicht unendlich strapazierbar sei, und die Gefahr drohe, dass diese abwandern. "Es gibt nichts Negatives an diesem Projekt. Deshalb müssen wir das jetzt endlich angehen."

28.10.2004
"Ja für eine lebendige Bayreuther Innenstadt - Nein zum Fachmarktzentrum" - unter diesem Motto steht eine von Dietbert Loher (ehem. Kaufhaus Loher) ins Leben gerufene, weitere Bürgerinitiative, die sich vehement gegen das Fachmarktzentrum auf der grünen Wiese ausspricht. Bei der Umsetzung eines derartigen Projekts mit einer Größenordnung von rund 65 000 Quadratmetern, habe man neben der Verödung der Innenstadt auch mit einer schlechteren Nahversorgung sowie rund 1000 zusätzlichen Arbeitslosen zu rechnen, so der Initiator. Unterstützung erhält die Initiative von den Stadträten Sigrid Engelbrecht (Grüne), Dr. Dieter Schweingel (FDP), Tanja Popp vom Rotmain-Center und Reinhard Weniger, dem oberfränkischen Einzelhandelsverbandsvorsitzenden: "Die Bayreuther sollen sich zu ihrer Stadt bekennen!" Die Zeit drängt: Bis zum 8. November will man die erforderlichen 3500 Unterschriften gesammelt haben - die Listen dafür liegen in den Geschäften in der Bayreuther Innenstadt aus. Auch mit Plakaten, Anzeigen und Flyern will man die Bürger auf das "Gegenbegehren" aufmarksam machen. Auf eines legt die Initiative Wert: Das Thema Fachmarktzentrum dürfe nicht Gegenstand der 2005 bevorstehenden OB-Wahl werden.

Das Bürgerbegehren von Horst Friedrich meldet zu diesem Zeitpunkt rund die Hälfte der benötigten Unterschriften. Bis Weihnachten sollen die dreieinhalbtausend Unterschriften unter Dach und Fach gebracht werden.

19.11.2004
Überzeugendes Ergebnis der Bürgerinitiative gegen das Fachmarktzentrum: Innerhalb von 3 Wochen hat man rund 12000 Unterschriften gesammelt. Von den Gegnern wird erstmals Kritik laut, dass auch Bürger aus dem Landkreis das Bürgerbegehren unterschrieben haben.

24.11.2004
Kritik von Horst Friedrich an den Methoden der Unterschriftensammlung im Rotmain-Center: Dort lagen in 2 Geschäften die Unterschriftenlisten "Pro Fachmarktzentrum" aus, die - laut Friedrich - auf Anordnung des Centermanagements entfernt werden mussten. "Da wird ganz klar ein demokratischer Prozess behindert", so Friedrich.

30.11.2004
In Dachau gibt es bereits ein Fachmarktzentrum - und die negativen Auswirkungen auf die dortige Innenstadt zeigt Reinhard Weniger vom Einzelhandelsverband im Rahmen einer Informationsveranstaltung in Bayreuth auf. Zu Gast sind auch Stadträte und Referenten aus Dachau, die "aus erster Hand" informieren.

10.12.2004
Auch Horst Friedrich hat es geschafft: 3700 wahlberechtigte Bayreuther unterzeichneten sein Bürgerbegehren "Pro Fachmarktzentrum". Friedrich gegenüber Radio Mainwelle: "Die Stimmen (der Gegner, d. Red.) sind natürlich ein Argument, dass man nicht einfach weglassen kann, man sollte sie aber nicht überbewerten. A muss mann mal wissen, wie sie gesammelt worden sind. B ist aus unserer Sicht die schlichte Argumentation "Ja zur Innenstadt, Nein zum Fachmarktzentrum" zu schlicht. Und zum dritten glauben wir, dass bei einem Bürgerentscheid, die die bei uns unterschrieben haben, motivierter sind als die anderen und deswegen gebe ich die Hoffnung nicht auf."

23.12.2004
Die Initiative "Pro Fachmarktzentrum" von Horst Friedrich übergibt die rund 4000 gesammelten Unterschriften dem Bayreuther Stadtrat. der im neuen Jahr nun entweder selbst über das Fachmarktzentrum entscheidet, oder einen Bürgerentscheid ansetzt.

4.1.2005
Auch die Gegner des Fachmarktzentrums um Initiator Dietbert Loher übergeben ihre 12000 gesammelten Unterschriften der Stadt Bayreuth in Person des Oberbürgermeisters Dr. Dieter Mronz. Damit können beide Bürgerbegehren auf ihre Zulässigkeit hin überprüft werden. Der Bayreuther Stadtrat muss dann innerhalb von 3 Monaten einen Bürgerentscheid ansetzen.

9.1.2005
In einer Pressemitteilung weist die Stadt Bayreuth die Kritik zurück, wonach sie die beiden Bürgerbegehren ungleich behandelt habe - bei der Übergabe der Unterschriften von Horst Friedrich seien keine Medienvertreter geladen worden. Friedrich habe den Wunsch nach einem Medientermin ausdrücklich verneint, so die Stadt weiter. Dementiert werden auch Meldungen, wonach die Stadt ein bereits ihr vorliegendes städtebauliches Gutachten unter Verschluss halte, das den Bedarf nach einem Fachmarktzentrum deutlich mache.

20.1.2005
Rund 5000 ungültige Unterschriften gegen das Fachmarktzentrum sollen der Stadt Medienberichten zufolge vorliegen - dies dementiert Dietbert Loher von der Bürgeriniatiative "Ja für eine lebendige Bayreuther Innenstadt - Nein zum Fachmarktzentrum" im Mainwelle-Interview: "Wir sind sehr erstaunt, wie diese Meldung da in die Zeitung kommt. Die Leute, die in der Stadt nicht stimmberechtigt sind, haben sich zwar auch in die Listen eingetragen, aber die haben wir in unserer Stückzahl nie angegeben. Wir haben die Liste bereinigt und das Wahlamt wird von diesen 12000 Stimmen mit Sicherheit noch einige abziehen - davon gehen wir aus. Aber die Zahl, die da in die Welt gesetzt wurde, hat überhaupt keinen Zusammenhang."

24.1.2005
Beide Bürgerbegehren sind zulässig - so das Ergebnis einer Sondersitzung des Bayreuther Stadtrats. 3560 gültigen Unterschriften der Befürworter stünden 9302 Unterschriften der Initiative gegen das Fachmarktzentrum gegenüber. Knapp 57000 wahlberechtigte Bayreuther sind nun am 10. April aufgefordert, ihren Meinung zum Fachmarktzentrum kund zu tun. Kosten für die Stadt: Rund 100 000 Euro.

17.2.2005
Der Hauptausschuss des Stadtrats verabschiedet nach heftiger Diskussion um die Zulässigkeit der vorgesehenen Fragestellung eine Vorlage für den Bürgerentscheid: Insgesamt bis zu 3 Kreuzchen dürfen die Bayreuther am 10. April machen. Beide Bürgerbegehren können befürwortet oder abgelehnt werden. Für den Fall, dass beide Bürgerentscheide mehr als 15 % Ja-Stimmen bekommen, gibt es eine Stichfrage, die dann ausschlaggebend sein wird: "Sind Sie für oder gegen ein Fachmarktzentrum?"

24.2.2005
Der Stadtrat gibt grünes Licht für den Bürgerentscheid. Auch hier wird zunächst über die umstrittene Fragestellung diskutiert.

3.3.2005
Der CSU Ortsverband Bayreuth-Mitte spricht sich in der März-Ausgabe der Verbandszeitung "Die Mitte" gegen das Fachmarktzentrum und damit gegen die politische Meinung des CSU-OB-Kandidaten Michael Hohl aus. Ursprünglich beschloss man auf Kreisebene, im Vorfeld des Bürgerentscheids nicht mehr öfentlich über das Thema Fachmarktzentrum zu diskutieren.

22.3.2005
Der Bayreuther Geograph Reinhard Hutzelmann veröffentlicht eine vom Bayreuther Einzelhandel in Auftrag gegebene Expertise zu den Auswirkungen eines Fachmarktzentrums. Neben einer stiegenden Verkehrsbelastung seien auch ein starker Verdrängungswettbewerb sowie eine Verlagerung des Kundenstroms an den Stadtrand zu erwarten, so das Gutachten.

24.3.2005
Auf dem Gelände des geplanten Fachmarktzentrums wird eine zehn mal fünf Meter große "Bautafel" errichtet, auf der erstmals auch Namen der Mieter genannt werden, darunter K & L Ruppert, Deichmann Schuhe und real oder Kaufland. Auch Host Friedrich rührt in den Tagen vor dem Bürgerentscheid wirder die Werbetrommel für das Fachmarktzentrum und hält in mehreren Stadtteilen Informationsveranstaltungen ab.

31.3.2005
Die Interessengemeinschaft "Ja zur Bayreuther Innenstadt" rechnet mit dem Verlust von rund 1700 Arbeitsplätzen im innerstädtischen Einzelhandel, sollte das Fachmarktzentrum gebaut werden. Dem gegenüber stünden lediglich 700 neu geschaffene Jobs im neuen Zentrum.

5.4.2005
Die Kaufkraft wächst nicht mit der Größe der Einkaufsfläche - darauf weist Sigrid Engelbrecht, Grünen-Stadtratsfraktionsvorsitzende, auf einer Informationsveranstaltung hin und spricht sich damit im Endspurt des Wahlkampfs noch einmal gegen das Fachmarktzentrum aus. Besonders wegen der Festspiele und des hochstehenden kulturellen Ambientes in der Stadt könne es nicht angehen, dass man deren Wohlergehen zugunsten von einer Einkaufsmeile auf der grünen Wiese vernachlässige.

6.4.2005
Ein Sprecher der Elektromarkt-Kette Saturn zeigt sich überrascht, dass man im Wahlkampf für das Fachmarktzentrum damit werbe, dass auch Saturn eine Filiale im Einkaufszentrum eröffnen wolle. Dies sei jedoch nicht der Fall, so der Sprecher, der juristische Mittel gegen die Irreführung nicht ausschloss.

Weichenstellung im Bauausschuss des Bayreuther Stadtrats: Dieser stimmt einer Fortführung des Bebauungsplans für das Gelände der Neuen Spinnerei zu. Damit können neben dem Media-Markt-Neubau weitere Einzelhandelsflächen entstehen. Der Verkehrsfluss im Bereich des Areals soll aoptimiert werden, um die von der Bürgerinitiative Nordring befürchtete höhere Verkehrsbelastung zu beseitigen.

Auch wenn das Fachmarktzentrum nicht kommen sollte - der Bayreuther Süden würde seinen viel gewünschten Nahversorger bekommen. Im Frühjahr 2006 will EDEKA einen Verbrauchermarkt nahe der Autobahnausfahr Bayreuth-Süd eröffnen, so Reinhard Weniger vom Einzelhandelsverband.

10.4.2005
Bayreuths Bürger haben entschieden:
an der Autobahnausfahrt Süd wird es vorerst kein Fachmarktzentrum geben. 51,3 Prozent der abstimmenden Bürger sprachen sich gegen das Vorhaben aus.Die Stimmbeteiligung lag bei 38 Prozent. Beide Bürgerbegehren hatten die notwendigen 8760 Stimmen erreicht.

Durch das Votum gegen ein Fachmarktzentrum erwartet Oberbürgermeister Mronz neue Investitionen in der Bayreuther Innenstadt

15.4.2005
Trotz des verlorenen Bürgerentscheids hat die EEW GmbH das Projekt "Fachmarktzentrum" noch nicht abgehakt. Im Mainwelle-Interview gab sich EEW-Geschäftsführer Axel Schumann kämpferisch. Man müsse jetzt allerdings erst einmal abwarten:
"Das Bürgerbegehren ersetzt ja den Stadtratsbeschluss mit der Bindungswirkung eines Jahres. Also im Moment können wir gar nichts machen. Wir werden jetzt aber mal sehen, ob die Innenstadt lebendiger wird, und wenn diese Versprechungen der Fachmarkt-Gegner nicht umgesetzt werden, dann werden wir noch einmal mit unserem Projekt in Bayreuth antreten. Langfristig lautet also unsere Strategie, dass wir nicht aufgeben wollen."
Laut Schumann hätten neueste Hochrechnungen ergeben, dass die Differenz zu Ungunsten des Fachmarktzentrums lediglich 417 Stimmen betragen hat. Dieses Ergebnis komme einer Patt-Situation gleich, so Schumann.
 


Das geplante Fachmarktzentrum an der Dr.-Konrad-Pöhner-Straße, unweit der Fa. Zapf (im Hintergrund)
Fotmontage: bayreuth-guide.de
 

Das Fachmarktzentrum - Chance oder Risiko?
Eine Frage, die nicht einfach zu beantworten ist.

Auf der einen Seite steht ein Investitionsvolumen von rund 100 Mio. Euro und die Aussicht auf rund 500 neue Arbeitsplätze in der Festspielstadt.

Auch wenn die Befürworter dem widersprechen - Durch das Fachmarktzentrum ist die Bayreuther Innenstadt in Gefahr:
- Bereits ohne das Fachmarktzentrum gibt es eine große Zahl an leerstehenden Geschäftsräumen rund um den Marktplatz, darunter das ehemalige Oberpaur-Haus an der Richard-Wagner-Straße oder das Sparkassen-Gebäude am Markt. Die Zahl der Leerstände würde ansteigen, die Bayreuther Innenstadt ein trauriges Bild auf die zahlreichen Besucher, z.B. die zahlreichen Festspielgäste, abgeben. Karstadt hat bereits angedroht, im Falle der Errichtung des Fachmarktzentrums seine Bayreuther Filiale am Marktplatz zu schließen.

- Andere Projekte sind in Gefahr, wie der Neubau eines Ärztezentrums und Einzelhandel auf dem Gelände der Neuen Spinnerei, da die Investoren durch die unendliche Diskussion verunsichert sind. Auch der Einzelhandel in der Stadt will endlich Klarheit, da auch hier in den vergangenen Monaten nach dem Stadtrats-Nein investiert wurde (z.B. Foto Altkofer, Karstadt).

- Wer in einem Fachmarktzentrum an der Autobahn nahezu "alles" bekommt, wird sich nicht nocheinmal in Auto setzen um die Innenstadt aufzusuchen. Der innerstädtische Einzelhandel würde nicht im geringsten profitiere, wie oftmals argumentiert wurde.

- Den rund 500 neuen Arbeitsplätzen im Fachmarktzentrum stehen eine ähnliche Zahl an Arbeitsplätzen gegenüber, die durch das Zentrum in der Innenstadt in Gefahr sind.